Perchten, Krampus,
Klaubauf und Co.
Maskenbrauchtum nicht
nur an der Fastnacht
Nichts mit Fastnacht
haben die hier gezeigten Masken zu tun, wohl aber auch mit dem Kirchenjahr.
Nikolaus- und Neujahrsbräuche sind Anlass genug, diese teils als phantastisch,
realistisch in ihrer Ausfertigung zu bezeichnende Masken zu tragen,
ein besonderes Brauchtum zu feiern, zu repräsentieren. Die Ursprünge
liegen im bärtigen und vermummten Begleiter unseres weihnachtlichen,
gabenspenden Heiligen St. Nikolaus, bei uns eher bekannt als Ruprecht oder
Knecht Ruprecht. Regional unterschiedlich hört er auch auf den Namen
Nickel, Pelznickel, Pelzmärte, Hans Muff oder wie im Elsass Hans Trapp.
Die Figur des Hans Trapp geht auf einen Hofmarschall des Kurfürsten
von der Pfalz zurück, der Hans von Dratt hieß und seine Bauern
im 16.Jahrhundert so drangsaliert hatte, dass er in Südwestdeutschland
zum Kinderschreck geworden ist. Pelzgekleidet erscheint diese Gestalt durchaus
auch Erwachsenen als furchterregend. Im Verlauf der Entwicklung des Brauchtums
wurde der Knecht Ruprecht sogar Heiligen gleichgesetzt, dann aber vom Nikolaus
getrennt, und schließlich zu einem selbständigen Gabenbringer,
der den Kindern am Nikolausabend oder am Nikolaustag, aber auch am
Heiligabend als Begleiter des Christkindes seine Gaben verteilt.
Der Klaubauf (Krampus)
war im 19. und 20. Jahrhundert Schreckgestalt mit geschwärztem Gesicht.
Man drohte den Kindern, dass er die unartigen Kinder aufglaubte um sie
zu verprügeln. Vielerorts wird heute den Kindern mit Sprüchen
wie „wenn du nicht brav bist kommt bei dir der Krampus und nicht der Nikolaus
„ damit gedroht, damit sie sich wieder brav verhalten. So ist das heute
teilweise in Bayern und Tirol noch üblich. Überhaupt ist der
alpine Raum voll von Maskenbräuchen zwischen dem 5. Dezember und Drei
König. Im ostalpinen Raum haben diese ihren Ursprung in sogenannten
Nikolospielen.
Einmalig in der Maskenlandschaft
Osttirols steht Matrei mit seinem Klaubauf. Die Mottinga Klaubauftage haben
ihren Ursprung ebenfalls in den Nikolospielen, einem Maskenaufzug vom 4.
bis 6. Dezember. Einzelfiguren wie die Bedienten, die Lotterleit (Bettelleute),
die Litterin sowie der Spielmann begleiteten den Nikolaus bei seinen Hausbesuchen.
Weitere mitziehende wüste Gestalten übten sich bis vor etwa 20
Jahren noch in der Ausübung eines etwas archaisch anmutenden Brauches,
des Tischzoichn (Tischziehens). Ziel war es den Tisch des Hauses, trotz
heftiger Gegenwehr der Hausbewohner, auf den Flur zu zerren. War dies gelungen,
so wurde die ganze Stube geräumt und ein Bewohner nach dem andern
herausgezerrt. Mit dem Einzug von Einbaumöbeln zog dieser Brauch auf
das Matreier „Kampffeld“, den Rauterplatz.
Vorbild für die
heutigen Kleibeife sind in diesen wüsten Gesellen zu suchen. Willy
Trost aus Matrei erlebte als Kind dieses wüste Treiben, und begann
selbst 1931 das Larvenschnitzen. Als Patron einer begeisterten Maskenschnitzerfamilie
prägte er das heutige Erscheinungsbild der Mottinga Kleibeife. War
es 1931 noch der „Tod“ als erstes Motiv einer Larve, fand die Figur des
Gorilla, angeregt durch den Film „King Kong“ Einzug in das Klaubauftreiben
Matreis. Weitere Angehörige der Familie Trost insbesondere die Söhne,
entwickelten in den späteren Jahren weitere phantastische Larven für
den maskierten Brauch. Zu nennen wäre hier insbesondere Chamberlain,
Churchill, das Judengesicht von 1930 oder aber den Glöckner von Notre
Dame oder Dracula von 1969/70.
Markenzeichen der
Matreier Schnitzkunst ist die Überdimensionierung der Larven, was
zusätzlich den Respekt vor diesen Maskenträgern erhöht.
Dies bedingt natürlich für den Träger Probleme hinsichtlich
eines eingeschränkten Sichtfeldes. Das Herausschauen durch die Nasenlöcher
ermöglichte noch größer dimensionierte Masken. Eine Besonderheit
stellt auch das Fehlen eines ansonsten bei derartigen Gestalten üblichen
Gehörns. Der Hang der Matreier Kleibeife zum Raufen, verhindert ob
der Verletzungsgefahr das Tragen spitzer Hörner.
Perchtenläufe
im gesamten Alpenraum, insbesondere an den Rauhnächten, sollen die
Wirkung des Guten stärken und dem Bösen entgegentreten, aber
auch den Segen für Feld, Wald und Flur bewirken. So hoch wie der Percht
springt, so hoch wird im nächsten Jahr das Getreide wachsen, lautet
demnach auch ein Sinnspruch auf das Treiben der Perchten. Zahlreiche Ursprungsdeutungen
zu den Perchten kursieren in der Literatur. So soll eine Quelle für
den Ursprung der Perchten in den Sonnwendkulten der Kelten liegen, eine
andere Deutung liegt in der Figur der Frau Percht (lateinisch-Luzia). Etwas
resignierend urteilen bisherige Autoren, dass eine verbindliche, nachweisbare
Herkunfts- und Altersbestimmung der Perchten nicht möglich sei. Wer
tiefer in diese Thematik einsteigen möchte, dem empfiehlt sich die
Lektüre über das Perchtenbrauchtum in Kirchseeon in Bayern.
Bemerkenswert bei
den Perchtenläufen ist ihre fast explosionsartige Vermehrung in den
letzten Jahren. Ähnlich wie bei den gehäuft anzutreffenden Neugründungen
von Hexenzünften im südwestdeutschen Raum, begegnen uns zahlreiche
neu entstandene Perchtengruppen, man spricht hier von einem Pass, in Deutschland
und Österreich. Einflüsse durch Sciencefiction Filme sind in
den letzten Jahren bei der Gestaltung der Masken erkennbar, welche zugegebenermaßen
auf künstlerisch sehr hohem Niveau stehen, sich allerdings mehr und
mehr von den Ursprüngen der Perchten entfernen. Bemerkenswert ist
in den vergangenen Jahren auch die Tatsache, dass gehäuft Perchtengruppen
mit furchterregenden Masken, Tierfellen, Ketten und Schellengurten bei
Fastnachtsumzügen anzutreffen sind. Bedenklich sind in den letzten
Jahren dokumentierten Übergriffe, der ansonsten sowieso nicht zimperlichen
Perchten im Umgang mit insbesondere weiblichen Besuchern der nächtlichen
Perchtenläufe. Körperverletzungen veranlassten die Verantwortlichen
zur Tragepflicht einer registrierten Laufnummer, um eine evtl. zu Gewalttätigkeiten
neigende Percht zu identifizieren.
Jürgen Stoll
|